Durchsuche Beiträge in inspiration

von Florian Städtler

Und wenn es in unserer Branche auch eine noch so hohe Zahl von Quer-Einsteigern gibt – keiner von uns ist gefeit vor dem Tunnelblick. Wirklich toll, dass das immer wieder für Überraschungen stehende Wirtschaftsmagazin brand eins die Februar-Ausgabe fast vollständig dem Eventmarketing widmet. Denn dort beleuchten Experten mit externem Blick eine Szene, die immer noch von zu vielen Entscheidern als “die Party-Abteilung” des Marketing, als “Add-on-Dienstleistung in Boom-Zeiten” oder als “Zuckerbrot-Maschine für den Vertrieb” verstanden wird.

Die brand eins-Ausgabe mit dem vielsagenden, aber eigentlich wohlwollend augenzwinkernden Titel “Ufftata – alle mal herhören!” wird uns hier auf dem Blog sicher noch einige Wochen beschäftigen, so gut sind die Beiträge, so anregend die Lektüre. Erstes Beispiel, auf das ich Bezug nehmen will, ist ein Interview mit dem Soziologen und Autor des Buches “Die Erlebnisgesellschaft”, Gerhard Schulze. Hier wird durchaus Sinn und Unsinn von Live-Kommunikation gegeneinander abgewogen, das Fazit ist aber sehr erfreulich: “Wenn es in Deutschland eine Zone ohne Events geben würde und eine andere mit Events, würde ich in die Zone mit den Events ziehen, einfach weil es da eine große kulturelle Vielfalt gibt.” Lesen Sie in der Folge kurz zusammengefasst, wie der Soziologe Schulze auf die Fragen  des brand eins-Interviewers antwortet und dabei einige Event-Klischees entlarvt.

brand eins: Die Eventitis breitet sich aus – sind die Menschen nicht überfordert? Schulze: Etwas Bestimmtes erleben zu wollen, ist ein nicht ganz unkomplizierter Vorgang. Die Leute sind inzwischen besser in der Lage, sich ein Erlebnisziel zu setzen. Und sie haben verstanden, dass Erlebnisse keine physischen Produkte sind, die in Serie gefertigt werden können. Wenn Sie beispielsweise einen überwältigenden Sonnenuntergang gesehen haben und das dann Tage später noch einmal spüren wollen, kann das schwierig werden.

[Städtler:  Wir sprechen von Event-Unikaten. Und irgendwie macht diese Einzigartigkeit, vielleicht sogar tatsächlich die Einmaligkeit einen unvergesslichen Event aus. "Das erste Mal" ist eben nicht reproduzierbar. Als Dienstleister macht man sich natürlich so seine Gedanken darüber: Was bedeutet das betriebswirtschaftlich, dass man - solch einer reinen Lehre folgend - dann bei jedem Auftrag wieder bei Null anfängt?]

brand eins: Funktionieren Erlebnisangebote wie Drogen: Ich konsumiere einen Stoff, damit er etwas mit mir macht? Schulze: Ja, aber die Droge wirkt auf das Bewusstsein und löst keine biochemischen Prozesse aus. Und was ich erlebe, die Wirkung der Erlebnis-Droge, hängt von mir selbst ab. Der Trend geht weg vom Anhäufen möglichst vieler Erlebnisse [...] Hotels werben sogar damit, dass sie keine Animation haben [...] Darin zeigen sich Spuren eines kollektiven Lernprozesses.

[Städtler: Schneller, höher, weiter - das ist schon aus zwei Gründen nicht mehr zeitgemäß: Erstens hat die Kombination von wachsenden Compliance-Anforderungen und die scheinbar völlige Unberechenbarkeit der Märkte die Unternehmen und Menschen vorsichtiger gemacht, zweitens lässt sich die Spirale irgendwann eben nicht weiter drehen: Was macht man, wenn die Kunden selber auf einen Formel1-Boliden gefahren haben, und sie sich schlicht und einfach an Hotel- und Gastronomie-Sterne gewöhnt haben? Ein Mondflug als Kundenevent?]

brand eins: Produzieren Events immer auch Erzählungen? Schulze: In der Erzählung liegt auch das Selber-Machen. Die drei Millionen Menschen auf der Autobahn (Anm.: Großveranstaltung im Rahmen von “Ruhr 2010″) haben hinterher alle etwas zu schildern. Dabei geht es nicht um den Bericht. Es geht vor allem darum, für sich selber eine Reflexionsebene zu schaffen. [...] Der Mensch ist nur dann ein Mensch, wenn er spielt, wenn er erzählt. Erleben wollen heißt, mit der Welt spielen wollen.

[Städtler: Kennen Sie das? Sie haben eine "geniale" Idee, entwerfen das entsprechende Konzept auf ihrem Notizblock oder Whiteboard, tragen die Idee mit sich und schlafen eingedenk der Möglichkeiten, die Ihr Geistesblitz Ihnen eröffnen wird, abends selig ein. Der wahre Test aber kommt dann, wenn sie die Idee einem Gegenüber (bei mir am besten, weil kritischten und ohne jeglichen Tunnelblick: Meine Frau) schildern. Wie oft geht es einem schon nach einigen Sätzen so, dass man merkt: Hoppla, da gibt es eine Lücke im System, vielleicht muss ich das ein oder andere doch noch mal überdenken. Selbstreflexion funktioniert für mich immer am besten mit konstruktiv-kritischem, externen Feedback. Oder: Wenn man gemeinsam Gespräche führt: Intensiv, engagiert und gerne auch emotional. ]

brand eins: Sind Marketing-Events deshalb so interessant, weil man befürchtet, dass klassische Werbung in den Medien verhallt? Schulze: Die gibt es weiter. Volkswagen und Jägermeister schalten ja weiterhin Anzeigen und drehen Werbespots. Aber diese Anzeigen und Spots wirken besser, wenn im Hintergrund die Erzählung vom Erlebnis, zum Beispiel vom Besuch eines Jägermeister-Konzerts das Marken-Du formt. Im Event kann man ein bisschen besser verstecken, was man wirklich meint.

[Städtler: Ich sag's ja schon lange...und nicht nur ich: Es gibt kein Marketing-Allheilmittel. Kein neues Medium, ob Radio, TV, Internet oder heute Social Media hat die vorher existierenden Medien in Gänze ersetzt. Wir haben heute eben nicht nur mehr und mehr zersplitterte Märkte, sondern auch jede Menge verschiedener Kommunikationsinstrumente. Nicht neu auch hier die Erkenntnis: Neben der wohlbedachten Auswahl der zu nutzenden Kanäle spielt vor allem die gelungene Integration der verschiedenen Bereiche die entscheidende Rolle: Wem es gelingt, klassische Werbung, Live-Kommunikation, PR und Social Media aus einem Guss und mit vielen funktionierenden Querverbindungen zu schaffen, der wird den maximalen kommunikativen Ertrag erzielen. ]

brand eins: Ihnen scheinen Kulturpessimisten, die Events für stumpfsinnige Produkte der Kulturindustrie halten, eher suspekt… Schulze: Das ist gute, alte Kulturkritik in der Tradition von Adorno. Wenn ich den Vorwurf höre, es werde alles zum Event gemacht, heißt das, die geldgierigen Veranstalter ziehen der entmündigten Masse, die zu doof ist, etwas aus ihrem Leben zu machen, das Geld aus der Tasche. Diese Kulturkritik ist arrogant und elitär bis in die Knochen. [...] Natürlich gibt es idiotische Events, bei denen die Menschen nur mit Reizen abgefüllt werden wie am Ballermann mit Alkohol. Aber es gibt eben auch Veranstaltungen, dier mir große Erlebnisspielräume ermöglichen oder mich total mitreißen. [...] Es gibt wunderbare Events, die fast schon eine kollektive Kuss-Produktion sind – jeder ist Mitspieler der Situation.

[Städtler: "Event-Bashing" (als Spezialdisziplin des Lästerns über das Marketing)  ist ja besonders bei den Kulturkritikern und Feuilletonisten höchst beliebt. Schön, dass diese gestrige Haltung hier mal von einem Nicht-Eventler abgewatscht wird. Unsere Aufgabe muss es immer wieder sein, mit guten Beispielen und gutem Zureden zu erzählen (sic!) und vor Augen zu führen, welche Möglichkeiten sich durch Live-Kommunikation bieten. Auf geht's!]

Auch inspiriert vom Event-Special in brand eins? Oder grundsätzlich anderer Meinung in den oben genannten Fragen?

Das “live & online”-Team freut sich über Rückmeldungen, Kommentare und sachdienliche Hinweise!

  • Facebook
  • Twitter
  • Delicious
  • Share/Bookmark

Nein, ich habe keine Nacht vor dem Apple-Shop verbracht, damals als Steve Jobs und sein Team den Deutschen den nächsten Coup nach dem iPhone bescherten. Aber lange habe ich dann doch nicht mehr gewartet. Und seit ein paar Wochen besitze ich nun einen iPad. Und weil’s hier im Blog um tolle Erlebnisse geht, sei mir dieser Ausflug erlaubt.

Ich kann mich noch gut erinnern, es war 2008 und ich hatte mir selbst das Geschenk einer zwei Mal 5 Tage dauernden Fortbildung in General Management (Jump – Haufe Akademie, sehr empfehlenswert) geschenkt. In der erfreulich kleinen Lerngruppe im Frankfurter Sternehotel – außer uns waren auch die griechischen Ex-Europameister unter der Führung des sagenumwobenen Rehakles dort untergebracht – war auch ein IT-Spezialist, technischer Leiter eines Spezial-Anbieters für Online-Marketing. Und er hatte es, das erste iPhone. Staunend ließen wir uns zeigen, wie er das kapazitive Touch-Screen bediente, Höhepunkte der Show natürlich die sich drehende Anzeige und der schnelle Besuch der Agentur-Webseite…

Na ja, dachte ich mir. Müssen so Techies (Fachsprache: Geeks) wohl haben. Ein schönes Spielzeug für IT- und Technik-Freaks.

Ganze zwölf Monate dauerte es, dann hatte ich selber mein iPhone 3G. Und ganz kurz drauf, noch im Glauben, das sei etwas Besonderes unterhielt ich mich mit meinem Frisör. Der erzählte mir, dass er bisher nicht mal einen Computer und somit auch kein E-Mail sein Eigen nannte. Aber – so plauderte er locker neben den Arbeiten an meiner Kurzhaarfrisur – jetzt habe er sich halt mal ein iPhone geholt.

Ein Smartphone, ob Apple, Nokia oder ein anderes Android-Handy ist  heute nicht mehr Angelegenheit für Spezialisten. Ganz im Gegenteil: Apple hat es geschafft, einen neuen Gerätetyp zu schaffen und diesen als digitales Erlebnis für JEDEN nutzbar zu machen.

Mit dem iPad wiederholt Apple die selbe Strategie an. Trotz meiner iPhone-Erfahrung (das Gerät hat mein Leben tatsächlich verändert!) war ich hier überzeugt: Ein Tablet-PC mit diesen Spezifikationen ist eine tolle Sache. Aber eben ein reines Konsum-Instrument: Bilder anschauen, im Web surfen, Videos downloaden, Webradio hören und sich in Sozialen Netzwerken bewegen. Ein schickes Spielzeug für Besserverdienende.

Der Zufall wollte es, dass ich Anfang des Jahres auf einen Erfinder eines Tablet-Computers traf…der leider nicht das konnte, was Apple kann: Der Welt erklären, dass sie auch dieses neue Gerät braucht. Und weit vor allen Mitbewerbern das zu tun, was immer noch der entscheidende Faktor ist: Ein tolles, funktionierendes Produkt liefern zu können – Apple delivered (again).

Weil Teil der von uns begleiteten Geschäftsidee die Nutzung eines Tablet-PCs war (und ich ganz nebenbei in diesem Jahr auch noch einen runden Geburtstag feiern durfte) war die kritische Masse für den Erwerb eines iPad 3G (GB) erreicht. Und so war im Sommer schon (oder wieder) Bescherung.

Für uns als Erlebnismarketer ist Apple eine unglaubliche Inspiration: Die Marke, das Design, die Benutzerfreundlichkeit. In der Summe ein Gesamtkunstwerk, gleichermaßen Erlebnis für Geeks, Medien und für Otto Normalverbraucher.

Was lernen wir Pitch- und Kostenrechner-Geplagten außerdem daraus? Der Kunde ist bereit für ein überdurchschnittlich ansprechendes Erlebnis auch mehr Geld auf den Tisch zu legen. Nicht jeder Kunde – aber ein sehr interessantes Klientel. Die, für die “Geiz ist geil” nicht mehr als ein schlichter Unterschichten-Köder ist und erst recht Grund, auf Qualität, Individualität und das gewisse Etwas zu achten.

Warum haben Sie ein Smartphone?
Warum haben Sie keines?
Wie haben diese mobilen Geräte Ihr Leben verändert?

Warum der iPad nun tatsächlich auch mein Arbeiten als Eventmanager verändert, dazu mehr im nächsten live & online Blogbeitrag.

Folgen Sie uns auf Twitter: www.twitter.com/spielplanvier Besuchen Sie uns auf Facebook: www.facebook.com/spielplanvier

  • Facebook
  • Twitter
  • Delicious
  • Share/Bookmark

Florian Städtler, 15.05.10

Selten, dass man mal ein Buch in einem Rutsch durchliest. Erstens liest sich nicht jedes Buch wirklich flüssig und zweitens sind die meisten Bücher (Texte, Posts, Präsentationen etc.) einfach zu lang.

WikipediaVon den Bonmots rund um “Kürze = Würze” gefällt mir am besten das: “Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich einen kürzeren Brief geschrieben.”

Schön ist auch der Vergleich eines guten Texts mit einer feinen Sauce: weiter lesen

  • Facebook
  • Twitter
  • Delicious
  • Share/Bookmark

Die Pastillen von Fisherman’s polarisieren: Die Mehrheit meiner Bekannten und Freunde behauptet, “die sind so scharf, die kann man nicht essen”. Die Marke lebt (und das gut) von einer wachsenden Minderheit von Fans. Man könnte auf deren Gaumen bezogen auch sagen „Hardcore“-Fans. Neudeutsch würde man diese Bonbon-Lutscher „Power-User“ nennen, sie haben immer eine Packung Fisherman’s in der Tasche.

Fisherman's Friend Strongman Run 2010

Passend zur Polarisierung der Image-Event: Der dieses Jahr zum vierten Mal in Deutschland veranstaltete „StrongmanRun“ ist Ultra-Crosslauf, Massenveranstaltung und Kult-Event zugleich. Trotz einer knackigen Teilnahmegebühr von 75 Euro meldeten sich zum SMR 2010 über 8000 Teilnehmer an. weiter lesen

  • Facebook
  • Twitter
  • Delicious
  • Share/Bookmark

von Florian Städtler

Es war während der ruhigen Tagen „zwischen den Jahren“. In den letzten Tagen des Jahres 2009 habe ich mich mal umgeschaut, das erste Mal überhaupt seit Gründung der Agentur 2003. Ein Google-Express-Trip zu über 250 „Marktbegleitern“ zwischen Flensburg und Garmisch. Das Ergebnis war – wie nicht anders zu erwarten – niederschmetternd: Alles schon gesagt, alles schon gedacht, alles schon da gewesen.

Aber das kennen wir ja alle: Die Web-Suche bietet enorme Möglichkeiten und ebenso großes Frustrationspotenzial. „Braucht die Welt uns überhaupt?“ flüstert es selbst-zweifelnd ins Unternehmer-Ohr.

Die Beschäftigung mit dem eigenen Geschäft, der eigenen Branche, der eigenen Realität wirft wahrhaft existenzielle Fragen auf. Sie ist anstrengend, mühsam, weiter lesen

  • Facebook
  • Twitter
  • Delicious
  • Share/Bookmark