von Florian Städtler
Wenn die ToDo-Liste wieder mal nicht mehr auf einem Bildschirm bzw. einem A4-Blatt darstellbar ist. Wenn man schon am späten Vormittag das Gefühl hat, der Tag hat einen überholt und die verbleibenden Stunden hechelt man ihm hoffnungslos hinterher. Wenn man sich abends dabei ertappt, dass die 1001 Ablenkungen der virtuellen oder realen Welt einen von den “wirklich wichtigen” (oder doch nur dringenden?) Jobs abgehalten haben….
Dann, ja dann schlägt die Stunde der DISZIPLIN. Und diszipliniert sein – so sagt man – das kann ich. Wenn der Städtler sich etwas vornimmt, dann zieht er das durch. Das fängt bei einfachen Übungen wie z.B. “einen Tag nur Wasser trinken” an. Oder 14 Tage jeden Tag joggen. Oder eine Stunde ohne Kontakt zu einem Apple-Gerät.
Ungefähr zwei Wochen vor Pfingsten war es wieder mal so weit: Ich sah keinen anderen Ausweg mehr. Ich machte mir einen persönlichen Askese-Plan. 16 Tage totale Disziplin und zwar (Balance!) nicht nur beruflich, sondern auch privat (Familie), gesundheitlich und bei dem, was ich einfach für mich selbst tue. Zur dieser fortgeschrittenen Form der Selbstkasteiung gehörten dann Aufgaben wie “jeden Morgen als allererstes die unangenehmste Aufgabe erledigen”. Oder grundsätzlich vernünftige Regeln einzuhalten wie “Ich arbeite täglich zwei Stunden intensiv mit einem Kollegen.” Privat: Handy- und PC-freie Zeiten mit den Kindern. Für mich: Täglich etwas “Gutes” lesen. Und für die Gesundheit ein besonderes Schmankerl: Immer zuerst laufen, wenn das nicht geht, Fahrrad zu fahren, als nächste Alternative der ÖPNV bzw. Mitfahrgelegenheit und erst dann das eigene Auto benutzen. Und so weiter und so fort.
Wie liest sich das? Surreal, oder? Eine Mischung aus Olli Kahn, Strebertum, Jesus und Nordkorea. Das Ergebnis war dann auch niederschmetternd: Von den natürlich viel zu vielen Zielen erreichte ich vielleicht 15%. Fazit des Selbstdisziplinierungs-Experiments: Nichterfüllungs-Frust statt Effektivitätsgewinn.
Schauen wir uns unter diesem Aspekt die Eventmarketing-Branche und unsere Auftraggeber an: Wenn die Lage unlustig wird, die Rahmenbedingungen schwieriger, dann schwant uns vom (Event-)Marketing Schlimmes. Denn dann werden die Entscheider zu Disziplin-Fanatikern. Zu Sparkommissaren und Kontroll-Freaks. Dann wird der Rotstift ausgepackt, werden Streichlisten produziert und brutalstmöglich gerasenmäht. Und drei Mal darf der geneigte Leser raten, in welche Position dabei das (Event-)Marketing gerät.
Nun könnten wir Eventler das tun, was wir in den guten Zeiten verpasst haben: Die Geschichte erzählen vom strategischen und nachhaltigen Eventmarketing. Davon predigen, dass – wenn die Markenmaschine erst mal an Höhe verloren hat – sie nur wieder mit großer Mühe und ebensolchen Kosten wieder auf eine sichtbare Höhe gebracht werden kann. Vielleicht noch den stets positiven FME-Branchenbericht als letztes, unschlagbares Argument im ungleichen Kampf mit dem Streichbeauftragten…
Kann allerdings gut sein, dass das alles nichts nützt. Dabei leuchtet es doch ein: Radikales Streichen von Marketing- und Eventmarketing-Budgets wirkt auf die Zielgruppen so wie mein Disziplin-Projekt: Es raubt Motivation. Nimmt einem den Spaß. Zehrt an der Begeisterungsfähigkeit: Für das Produkt, für den Service, für die Marke, für das Unternehmen. Hier gilt wie überall im Leben: Wenn ausschließlich die Vernunft regiert , ist das ungesund. As-Käse sozusagen.
Ist das nur Wunschdenken? Können Unternehmen ohne Erlebnisse für Mitarbeiter und Kunden genau so erfolgreich sein wie mit Live-Kommunikation? Ich freue mich auf Kommentare, immer gerade heraus, besonders natürlich von Betriebswirten, Buchhaltern und Marketing-Entscheidern.
- Fisherman’s Friend “Strongman Run” – live dabei (Zufällig - 0.250)
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