Florian Städtler, 15.05.10
Selten, dass man mal ein Buch in einem Rutsch durchliest. Erstens liest sich nicht jedes Buch wirklich flüssig und zweitens sind die meisten Bücher (Texte, Posts, Präsentationen etc.) einfach zu lang.
Von den Bonmots rund um “Kürze = Würze” gefällt mir am besten das: “Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich einen kürzeren Brief geschrieben.”
Schön ist auch der Vergleich eines guten Texts mit einer feinen Sauce: Am Anfang wirft man viele Zutaten in den Topf, kocht diese dann aber so lange, bis eine kleine Menge wunderbar schmeckender Sauce übrig bleibt. Gute Restaurants gehen sehr sparsam mit Sauce um.
Ein Buch, dass dieses Bild nahezu perfekt zwischen Buchdeckel bringt, stammt von den Gründern der Office-Software-Firma 37signals, Jason Fried und David Heinemeier Hansson. Ihr “Rework“ war es, das ich tatsächlich an einem Abend und einem Samstag Morgen durchgelesen habe.
Noch ein Simplify-Buch? Irgendwie schon, aber doch viel besser, als alles, was ich bis dahin diesbezüglich gelesen habe. Und zwar aus einem Grund: Es enthält keinen Satz, ja scheinbar kein Wort zu viel. Gesprächston, keine Blähwörter, kein vorsichtiges Formulieren um drei Ecken. Und immer die Fähigkeit, einfache, ja selbstverständliche Dinge eindrücklich auf den Punkt zu bringen.
Beispiele gefällig?
“Ignore the real world.” …”it sounds like an awfully depressing place.”
“The real world isn’t a place, it’s an excuse. It’s a justification for not
trying.”
“Planning is guessing.” …”Unless you’re a fortune-teller, long-term
business planning is a fantasy.” …”guesstimating”
“Not only is workaholism unnecessary, it’s stupid.”…”Workaholics wind up
creating more problems than they solve.”
“Meetings are toxic.” …”ASAP is poison.”
Besonders gut gefällt mir die Idee, sich dem automatischen Wachstumszwang zu verweigern:
“Embrace the idea of having less mass.”
Masse = langfristige Verträge, zu viele Mitarbeiter, endgültige
Entscheidungen, Meetings, komplizierte Prozesse, Lagerbestände
(physische und geistige), unersetzbare Technik, Büro-Regeln
Womit wir wieder beim Weglassen wären. Beim (kurzfristig) anstrengenden Nein-Sagen. Bei Filter und Fokus.
Und einem Buch, von dem man am besten täglich eine Seite (samt toller Illustration) als Inspiration an die Wand hängt.
—
Wer ist auch dabei, seine Arbeit zu überarbeiten? Wer hat “Rework”-Tipps ausprobiert? Wer will über Sauce, Sprache, Simplify, Zeit und Zukunft der Arbeit diskutieren?
Der kann hier seine Meinung und seine Zweifel äußern. Oder eine gute Geschichte erzählen. Rückmeldungen, gerne gegen den Strich, sind höchst erwünscht.
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