von Florian Städtler

Massen-Marketing beruht auf einer zentralen Technik: Es unterbricht Menschen bei dem, was sie eigentlich gerade tun wollen. Und es nutzt bevorzugt ein Instrument: Das Megaphon. Dieser Lautsprecher diente jahrzehntelang dazu, die vermeintliche Zielgruppe anzuschreien. Und zwar mit einer möglichst massentauglichen Einheitsbotschaft.

Varianten dieser Megaphon-Technik waren (und sind) TV-Werbung, Print-Anzeigen, Plakate, Call-Center, E-Mailings. Nun ist es schon ziemlich unangenehm, von einem einzelnen Megaphon angeschrien zu werden. Mit zunehmender Verschärfung des Wettbewerbs steigerte sich aber die Zahl der Megaphone. Die Lautstärke schwoll an, der Tonfall wurde aggressiver, die Botschaft extremer.

Heute bezeichnet man diese Technik als „Outbound Marketing“ und meint damit das Massen-Marketing der Jahre 19XX. Die Reaktion der Verbraucher und Kunden kam langsam aber unausweichlich. Ein Sich-die-Ohren-Zuhalten, das sich in vielfältiger Weise manifestierte: Von der Robinson-Liste über Aufkleber gegen Wurfsendungen bis zum rapiden Glaubwürdigkeitsverlust der „Reklame“ und deren Urheber.

Klassische Werbung wurde immer unbeliebter und – für die Werbetreibenden und Marketer schlimmer – ineffizienter (= teurer).

Und dann kam das Internet.

In weniger als zwanzig Jahren veränderte es die Welt der Medien, die Art wie wir kommunizieren, uns informieren, einkaufen, Beziehungen pflegen. Und natürlich auch wie wir Marketing betreiben.

Google, Blogs und Soziale Netzwerke prägen die Online-Welt und verändern die Regeln schneller als es vielen lieb ist. Schneller als je zuvor treten neue Spieler wie Amazon, eBay, Google und Apple an die Stelle derer, deren Zeit abgelaufen ist.

Als ob das nicht ausreichte, ist es auch um eine weitere Säule des „Marketing 19XX“ geschehen: Die Zielgruppe. Statt wenigen Massemärkten gibt es unendlich viele Nischen. Wie wir mit der Masse der Nischen und den Chancen, denen diese Nischen bieten umgehen wollen, soll regelmäßiges Thema des Blogs sein.

An die Stelle von „Outbound Marketing“ und “Interruption Marketing” treten „Inbound Marketing“ (Dharmesh Shah/Brian Halligan), „Permission Marketing“ (Seth Godin) und „One-to-one Marketing“ (Martha Rogers/Don Peppers). Wir werden sehen, analysieren und hinterfragen, inwieweit es sich wirklich um eine Revolution oder vielleicht doch nur um eine natürliche, evolutionäre Weiterentwicklung des Marketing handelt.

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